Baum des Jahres 2004
Die Weißtanne (Abies alba)

Oh Tannenbaum!
 
Allein in Deutschland werden zu Weihnachten fast 30 Millionen „Tannenbäume“ aufgestellt. Doch nicht  alle grünen Nadelbäume sind „Tannenbäume“, nur die Weißtanne  ist wirklich eine Tanne. Allerdings fing mit der Tanne alles an. 1539 stand im Straßburger Münster der erste urkundlich erwähnte Weihnachtsbaum.
Die Weißtanne weist in besonderem Maße auf die Empfindlichkeit von Bäumen gegenüber vom Menschen verursachte Umweltveränderungen hin. In vier Bundesländern steht sie bereits auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohter Pflanzenarten. Aus diesem Grund wählte das Kuratorium Baum des Jahres die Weißtanne zum „Baum des Jahres 2004“. Wie kaum ein anderer Baum macht sie auf  Waldschäden durch Luftschadstoffe aufmerksam, sie steht aber auch für eine naturgerechte, nachhaltigen Waldwirtschaft.

Der Name Weißtanne bezieht sich auf die Farbe der Rinde; sie ist auffallend hell-grau, in der Jugend glatt und im Alter schuppig mit zahlreichen Harzblasen. Im Gegensatz dazu hat die auch „Rottanne“ genannte Fichte eine rötliche Rinde. Weiterhin erkennt man echte Tannen an ihren flachen, weichen Nadeln und an ihren stehenden Zapfen, die bei fast allen anderen Nadelbäumen nach unten hängen. Anders als die Zapfen der Fichten und Kiefern fallen die aufrechstehenden Zapfen der Tanne nie als Ganzes vom Baum. Sind die Samen reif, segeln sie mit den Schuppen zu Boden. In der Krone bleibt von den Zapfen nur noch eine spießähnliche Spindel übrig. Der junge Baum wächst gleichmäßig wie ein Kegel, während der alte Baum eine Storchennestkrone aufweist. Mit einer Höhe von bis zu 65 Metern und einem Stammdurchmesser von zwei bis drei Metern sind Weißtannen die höchsten Bäume Europas und können bis zu 600 Jahre alt werden.

Die Tanne ist die Baumart mit dem stärksten Rückgang in den letzten 200 Jahren. Dadurch, dass sie die letzte Eiszeit nur in kleineren, voneinander getrennten Populationen überdauerte, kam es durch Inzucht zum Verlust der genetischen Vielfalt. Eine Folge davon ist eine herabgesetzte Anpassungsfähigkeit und Empfindlichkeit gegenüber Trockenheit, Klimaveränderung und Luftschadstoffen. Ebenso machen ihr Kahlschläge, konkurrierende Fichten und Wildverbiss zu schaffen. Geschädigte Tannen produzieren einen hohen Anteil tauber Samen und können sich deshalb kaum noch vermehren. Helfen kann man ihr weniger durch reines Anpflanzen, sondern vor allem durch das gezielte Zusammenführen isolierter Restbestände, z.B. durch künstlichen Pollentausch. Dadurch entstehen vielfältigere Genkombinationen, die die Tanne widerstandfähiger machen.
Früher galt die Tanne als ein Baum von außergewöhnlicher magischer Kraft, sie war Sinnbild für Stärke und Hoffnung. Auch heute soll sie wieder zum Symbol für Stärke und Hoffnung werden, denn durch ihre bemerkenswerte Wurzelintensität, mit der sie tiefe Bodenschichten erschließt, ist sie durch eine große Standfestigkeit auch bei Sturm- und Hochwasser ausgezeichnet.


Text: Linda Hartwig, Daniel C. Dreesmann

(c) Die Wissensbrücke 2004