Blume des Jahres 2005 

Klappern gehört zum Handwerk 

Der Große Klappertopf bietet zahlreiche Besonderheiten 


Klappertopf (2) Nomen est omen – und bei der Blume des Jahres 2005 gleich doppelt: Denn der deutsche Name leitet sich beim Großen Klappertopf (Rhinanthus angustifolius) vom Klappern der reifen Samen in den trockenen Fruchtkelchen ab, wohingegen die botanische Bezeichnung Rhinanthus, welche sich aus den griechischen Wör- tern für Nase und Blume zusammensetzt, die nasenförmige Gestalt der zitronengelben Blüten beschreibt.

Doch nicht diese Besonderheiten, sondern der besondere Lebensraum dieser Pflanze haben die
Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen dazu bewogen, auf den Großen Klappertopf in diesem Jahr besonders aufmerksam zu machen. Der Große Klappertopf ist vor allem auf wechselfeuchten Mähwiesen anzutreffen, wie sie vor allem in Niedermooren zu finden sind. Doch seit den 1960er Jahren findet durch Entwässerung und Düngung eine Umwandlung dieser Standorte in modernes Agrarland statt, was sich in einem dramatischen Rückgang des Großen Klappertopfes bemerkbar gemacht hat. Vor allem die Tatsache, dass  Grünland als Ackerland genutzt wird, um beispielsweise Mais als Silofutter anzubauen, hat diesen Trend in den letzten Jahren verstärkt. Heute ist die Art auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten zu finden.

Eine weitere Besonderheit des bis zu 70 cm hohen Großen Klappertopfes ist seine besondere Lebensweise als so genannter
Halbschmarotzer. Um Wasser und Nährstoffe zu erhalten, zapfen die Wurzeln die Wurzeln anderer Pflanzen an und verwenden sie für den eigenen Stoffwechsel. Im Unterschied zu pflanzlichen Vollschmarotzern wie der braun gefärbten Nelkenwurz, besitzen die Blätter des Großen Klappertopfes aber noch das für die Fotosynthese benötigte Blattgrün (Chlorophyll). Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Schmarotzertum eine Anpassung an die nährstoffarmen Lebensräume dieser Pflanzen darstellt.
Klappertopf1 (2)

Der Große Klappertopf ist eine einjährige Pflanze und blüht von Mai bis August. Seine röhrenähnlichen gelben, bis zu 2,4 cm großen Blüten werden fast nur von Hummeln bestäubt. Die reifen Samen können dann mit Hilfe eines Flügelsaumes durch den Wind über weite Entfernungen segelnd verbreitet werden, wo sie den Winter überdauern und im darauffolgenden Jahr keimen.
Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass sich das Aussehen des Klappertopfes im Laufe des Jahres verändert, ein Phänomen, das Botaniker als
Saison-Dimorphismus („Zweigestaltigkeit“) bezeichnen: So sind Klappertöpfe in Beständen, die im Frühjahr blühen, schlank und kaum verzweigt, wohingegen die  im Sommer blühenden Pflanzen sich durch einen vergleichsweise weit ausladenden und verzweigten Wuchs auszeichnen. Doch damit nicht genug: Die Pflanzen im Flach- oder Hügelland  unterscheiden sich erheblich von denen im Alpenvorland und in den Alpen.

Obwohl diese Besonderheiten für sich genommen die Wahl des Großen Klappertopfes zur Blume des Jahres 2005 schon rechtfertigen, will die Hamburger Stiftung mit ihrer Wahl auch für den
Erhalt von Wirtschaftsgrünland werben, das vor allem in Norddeutschland über Jahrhunderte das Landschaftsbild geprägt hat.


(c) Text: Die Wissensbrücke - Autor: Daniel C. Dreesmann
(c) Bilder: Stiftung zum Schutz bedrohter Pflanzen Hamburg