Fisch des Jahres 2004
Der Maifisch – Alosa alosa
Vermisstenanzeige:
Maifisch verschollen!!
Im 19. Jahrhundert traf man den Maifisch zur Laichzeit noch in
vielen großen deutschen Flüssen, wie z.B. im Rhein, in großen
Schwärmen an. Wegen des Verlustes geeigneter Laichbiotope durch Gewässerverschmutzung,
Flussbegradigung, Staustufen, etc. gilt dieser Fisch heutzutage in vielen
Flüssen als verschollen. Deshalb hat der Verband der deutschen Sportfischer
(VDSF) den Maifisch, der auch Alse genannt wird, zum „Fisch des Jahres
2004“ gewählt, um auf diese fast ausgestorbene und dementsprechend
unbekannte Art aufmerksam zu machen.
Der 35-40 cm große Maifisch ist wie Lachs, Barbe und Stör
ein Wanderfisch, d.h. zum Laichen verlässt er das Meer und schwimmt
flussaufwärts. Wenn die Maifische geschlechtsreif sind, wandern sie
in die Unterläufe der Flüsse. Die Laichzeit findet im Frühjahr
statt. Da sie früher in großen Schwärmen im Monat Mai in
den Flüssen gesehen wurden, hat man ihnen den Namen Maifisch gegeben.
Die Weibchen geben ca. 100.000 – 200.000 Eier über dem kiesigen Grund
ab. Danach kehren die Elterntiere zurück ins Meer. Bereits nach 4-8
Tagen schlüpfen die Jungen und verbleiben bis zum Herbst in den Flüssen.
Danach folgen sie ihren Eltern ebenfalls ins Meer. Der Maifisch hat
eine Lebenserwartung von bis zu 11 Jahren, seine Lebenszeit verbringt er
am liebsten in Schwärmen.
Der Maifisch gehört zur artenreichen Familie der Heringsfische.
Noch am Ende des 19. Jahrhunderts wurde er vor allem im Rheinland zentnerweise
auf den Fischmärkten verkauft. Dieser Fisch war sehr preiswert und
daher bei den weniger verdienenden Arbeitern im Rheintal sehr beliebt. Diese
Überfischung ist neben der Gewässerverschmutzung und dem Verlust
des natürlichen Lebensraumes ein Grund für sein Verschwinden.
Besonders die Querverbauung der Gewässer durch Schleusen und Wehre
wirkt sich nachteilig auf eine Wiederansiedlung von Maifischen in deutschen
Flüssen aus. Bei der Rückwanderung ins Meer geraten viele Fische
in die Turbinen von Wasserwerken und werden dort „geschreddert“.
Um den Maifischen wieder eine Chance zu geben, fordert der Verband Deutscher
Sportfischer die Altarme und Auengewässer der Flüsse wieder an
die Flusssysteme anzubinden. So könnten Wanderfische ungestört
ihre Lebensräume aufsuchen. Und ein Fisch wie der Maifisch, der früher
aufgrund seiner Häufigkeit als „Armeleute-Fisch“ bezeichnet wurde, könnte
wieder in unseren Flüssen leben.
Text: Linda Hartwig, Daniel C. Dreesmann
(c) Die Wissensbrücke 2004