Fisch des Jahres 2005
Ein selten gewordener Fisch
Die Bachforelle leidet unter der Zerstörung ihrer Lebensräume
Mit der Wahl des Fisches
des Jahres 2005 können sich sowohl Feinschmecker als auch Musikfreunde
gleichermaßen zufrieden geben. Während die einen bei der Bachforelle
- Müllerin oder Blau - an einen der schmackhaftesten Speisefische
denken, kommt Liebhabern klassischer Musik Schuberts Forellenquintett in
den Sinn, bei dessen fröhlichen Melodien man bereits erahnen kann,
wie Bachforellen – „in einem Bache helle“ – pfeilschnell im Wasser ihrer
Nahrung nachstellen.
Doch die hohen Ansprüche, die die mit dem Lachs
verwandten Fische an ihren Lebensraum stellen, haben dazu geführt, dass
ihre Bestände stark gefährdet sind. Aus diesem Grund werden in den meisten
Forellenzuchtbetrieben auch nicht Bachforellen, sondern Regenbogenforellen
gehalten, die weniger anspruchsvoll sind und zudem schneller wachsen.
Die
Bachforelle lebt in kalten, klaren und sauerstoffreichen Bächen und den
Oberläufen der Flüsse, wo sie Reviere bildet und deshalb stundenlang „auf
der Stelle stehen“ kann, um ihre Nahrung zu erbeuten.
Forellen ernähren
sich räuberisch von Insektenlarven, kleineren Fischen und Insekten, die
sie an der Wasseroberfläche erbeuten können; dieses Verhalten machen sich
Angler beim so genannten „Fliegenfischen“ zu Nutze, bei dem eine künstliche
Fliege als Angelköder durch eine spezielle Angeltechnik über der Wasseroberfläche
entlang gezogen wird.
Während Bachforellen bis in die 1950er Jahre noch häufig in den nach ihnen
benannten „Forellenregionen“ unserer einheimischen Fließgewässer anzutreffen
waren, hat sich die Situation seither deutlich verschlechtert, sodass sie
heute zu den gefährdeten Tierarten zählen. Grund hierfür ist neben der
Versauerung der Gewässer durch den „sauren Regen“ und der Verschmutzung
durch Abwässer auch die Verbauung der Flüsse mit Staustufen und Wehren.
Denn zum Laichen benötigen die Bachforelle einen sandig-kiesigen Untergrund,
wie er in Bächen und im Oberlauf von Flüssen typisch ist. Wird den Fischen
jedoch der Weg in die Laichgebiete versperrt, sind sie nicht mehr in der
Lage, sich zu vermehren.
Nicht nur das schöne Aussehen der Bachforelle
mit einem olivgrünen Rücken und den schwarzen und roten Punkten an den
Seiten und die große Bekanntheit haben den Verband deutscher Sportfischer
e.V. (VDSF) dazu bewogen, die Bachforelle zum Fische des Jahres zu wählen:
Kaum eine andere einheimische Fischart ist so durch Gewässerverschmutzung
und Bau- maßnahmen betroffen. Die Bachforelle soll die Öffentlichkeit deshalb
auch darauf aufmerksam machen, dass alle Bemühungen von Sportfischern,
Bachforellen wieder in Bächen und Flüssen anzusiedeln, nur dann Erfolg
haben können, wenn neben einer Verbesserung der Wasserqualität auch die
Durchgängigkeit der Flüsse bis hin zu den Quellregionen sichergestellt
ist.
'Die langjährigen Bemühungen, durch das Aussetzen von Jungfischen
die Bestände der Bachforelle zu sichern, werden von Wissenschaftlern als
mehr oder weniger gescheitert angesehen.
Mit so genannten „Bachforellen-Ranching“
will man nun Bachforellen in Zuchtbetrieben vermehren, deren Elterntiere
im jeweiligen Bach gefangen wurden, in dem deren Nachwuchs später ausgesetzt
werden soll. Dadurch erhofft man sich, Tiere anzusiedeln, die besser an
ihren Lebensraum angepasst sind.
(c) Text: Die Wissensbrücke - Autor: Daniel C. Dreesmann
(c) Bild: VDSF