Orchidee des Jahres 2004
Die Grüne Hohlzunge - Coeloglossum viride
Die Grüne Hohlzunge, eine typische Bergwiesenorchidee, wurde vom
Arbeitskreis Heimischer Orchideen in diesem Jahr zur Orchidee des
Jahres 2004 gewählt, um auf die Probleme ihres Lebensraumes aufmerksam
zu machen, der durch die Aufgabe traditioneller Nutzung gefährdet ist.
Die Grüne Hohlzunge ist eine kräftige, kleine Pflanze mit Laubblättern,
die unten am Stängel eiförmig und oben mehr länglich geformt
sind.
Wenn sie, was gelegentlich vorkommt, in lichten Gebüschen oder Bergwäldern
steht, kann diese sonst kleine unauffällige Pflanze mit einer Wuchshöhe
von ca. 30 cm untypisch groß werden. Dabei kann sie leicht übersehen
werden, weil sie mit einer „Grün in Grün“-Strategie für optimale
Tarnung sorgt. Denn ihre Blüten sind klein, grün bis grüngelblich
und manchmal rötlich überlaufen und unterscheiden sich farblich
kaum von den Blättern.
Der Name „Hohlzunge“ rührt von einer bis zu 10 mm langen zungenförmig
heraushängenden Lippe her. Sie bildet einen honigartigen Blütenduft
aus, der Käfer, Bienen und Wespen anlockt, die sie dann bestäuben.
Die Grüne Hohlzunge tritt vereinzelt oder in kleinen Gruppen auf und
blüht je nach Höhenlage, Standort und klimatischen Bedingungen
von Mai bis Juli.
Der Verbreitungsschwerpunkt dieser Orchidee liegt in Deutschland in den
Alpen. Sie wächst auf mäßig feuchten, nährstoffarmen,
oft aber kalkreichen Böden und ist in Höhenlagen um 2.900 m zu
finden. Auch in Mittelgebirgen, wie z.B. Eifel oder Schwarzwald, trifft man
die Grüne Hohlzunge an, wenn dort eine extensive Wiesennutzung erfolgt,
welche die Biotopstrukturen kurzrasig und lückig hält.
Der Bestand dieser Orchidee ist zurückgegangen, weil ihre Standorte
im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung vor allem in den Mittelgebirgen
vernichtet worden sind. In Niedersachsen ist die Grüne Hohlzunge
bereits ausgestorben, in anderen Bundesländern gilt sie als stark gefährdet.
Durch verschiedene Aspekte kann man die Lebensräume der Hohlzunge
erhalten. Beispielsweise ist das regelmäßiges Abmähen der
Bergwiesenflächen von Nutzen. Freiflächen dürfen nicht aufgeforstet,
sondern behutsam entbuscht und ausgeharkt werden. Eine übermäßige
Nutzung und Düngung der Bergwiesenflächen ist für die „Grüne
Hohlzunge“ als Spezialistin nährstoffarmer Standorte schädlich.
Nur wenn Menschen verzichten lernen, indem sie Flächen nicht als Ackerland
oder Wald nutzen, haben Orchideen wie die Grüne Hohlzunge eine Chance,
in Deutschland zu überleben.
Text: Linda Hartwig, Daniel C. Dreesmann
(c) Die Wissensbrücke 2004