Pilz des Jahres 2004
Der Echte Hausschwamm  Serpula lacrymans

 
„My home is my castle...“, unvorstellbar, dass ein kleiner Pilz in der Lage sein soll, unser geliebtes Dach überm Kopf in einen abrissreifen Zustand zu bringen. Um auf seine oft unterschätzte wirtschaftliche Bedeutung und sein häufiges Vorkommen aufmerksam zu machen, hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Pilzkunde) den Echten Hausschwamm zum „Pilz des Jahres 2004“ gewählt. Sein wissenschaftlicher Name deutet auf kleine Tröpfchen auf der Oberfläche seines Fruchtkörpers hin, die wie Tränen aussehen. Gelegentlich wird deshalb auch vom Tränenden Hausschwamm gesprochen.

Der Echte Hausschwamm ist in Deutschland weit verbreitet. Hat sich der gefürchtete Schädling, der bevorzugt Holzbalken aller Art befällt, erst einmal eingenistet, kann es für Haubesitzer unter Umständen teuer werden. Denn wenn eine gründliche Gebäudesanierung erforderlich ist, können Summen von 10 000 bis 30 000 Euro auf ihn zukommen. Im schlimmsten Fall muss das vom Hausschwamm verseuchte Haus wegen akuter Einsturzgefahr geräumt werden.

Oft greift der Pilz schon die Holzbalken an, ohne dass man seine Fruchtkörper sieht. Die Neubildung der Fruchtkörper beginnt immer als weißer Filz, auf der in der Mitte bald eine bräunliche Oberfläche sichtbar wird, auf der die zur Vermehrung dienenden Sporen entstehen. Mit Hilfe von Enzymen entzieht der Pilz dem Holz die faserige Cellulose, sodass nur eine bröckelige, oft würfelige braune Substanz zurückbleibt. Das Holz ist in diesem Zustand nur noch wenig belastbar, tragende Balken können beispielsweise knicken oder Dielenbretter einbrechen.
Gefährdet waren besonders früher die moderigen, schlecht beheizten Fachwerkhäuser, heute sind vor allem Wald- und Berghütten betroffen. Aber auch Neubauten, in die Feuchtigkeit eintritt, können gefährdet sein.
Ist das Holz noch zu trocken, kann der Echte Hausschwamm mit bestimmten wurzelartigen Strukturen Feuchtigkeit über viele Meter herantransportieren. Für diesen Wassertransport kann er sogar ganze Mauern überwinden und kleinste Ritzen durchwachsen.
Fazit: Lieber den Champignon  in der Pfanne, als den Hausschwamm unterm Dach!


Text: Linda Hartwig, Daniel C. Dreesmann

(c) Die Wissensbrücke 2004