Pilz des Jahres 2005 

Und nun das Pilz-Wetter... 

Wie ein kurioser Pilz die Wettervorhersage möglich macht 

Wandern im Nieselregen, Heuernte im Hagelschauer - genaue Wettervorhersagen sind nicht nur für die Freizeitgestaltung von erheblichem Vorteil, sondern auch für die Landwirtschaft von enormer Wichtigkeit.

Kein Wunder also, dass man sich seit jeher mit unterschiedlichen Verfahren bemüht hat, dem Wettergott auf die Schliche zu kommen. Während der im Einmachglas gehaltene Laub- frosch als „Wetterfrosch“ einen großen Bekanntheitsgrad erlangt hat, sind seine Verdienste um die Wettervorhersage eher von zweifelhafter Bedeutung.

Mehr Verlass ist da schon auf die aus Bauernregeln bekannte Flughöhe der Schwalben oder auf einen merkwürdig aussehenden Pilz, der seit mehreren Hundert Jahren ebenfalls für die Vorhersage von Wetterveränderungen genutzt wird.
Aus diesem Grund trägt er auch den deutschen Na
men Wetter-stern; sein wissenschaftlicher Name Astraeus hygrometricus verrät das Prinzip, mit auf dem die Wettervorhersage beruht.

Pilz2005 Denn in Abhängigkeit der Luftfeuchtigkeit verändert der Wetterstein sein Aussehen. Ist die Luft trocken, ähnelt er einer braunen Kugel, die an einen Kartoffelbovisten erinnert. Steigt hingegen die Luftfeuchtigkeit an, reißt die äußere Schicht des Fruchtkörpers auf, sodass ein Stern entsteht, in dessen Mitte sich eine rundliches Gebilde befindet, der so genannte Sporenbehälter. Wird die Luft wieder trockener, schließen sich die Zacken des Stern wieder. Der eigentümliche Pilz funktioniert wie ein Bio-Hygrometer: indem er auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit reagiert, gibt er Hinweise auf bevorstehenden Regen. Der raffinierten Mechanismus des Wettersterns ist natürlich nicht entstanden, um Menschen einen bevorstehenden Wetterumschlag anzuzeigen: er dient vielmehr dem ureigensten Interesse des Pilzes, sich zu vermehren.

Pilze brauchen nicht nur zum Wachsen Feuchtigkeit, sondern auch, damit die
Pilzsporen keimen und zum Pilzgeflecht heranwachsen können. Die Verbreitung der S
poren erfolgt beim Wetterstern, wenn der freistehende Sporenkörper von Regentropfen oder herunterfallenden Ästen getroffen wird. Durch die Erschütterung werden sie aus einer kleinen Öffnung zusammen mit der Luft wie bei einem Blasebalg herausgeblasen.  

Der Wetterstern, der zur Großfamilie der Steinpilze gezählt wird, ist weltweit verbreitet und gehört zu einer Gruppe von so genannten Mykorrhiza-Pilzen, die eine symbiotische Beziehung mit den Wurzeln von Kiefern eingehen. Das den Boden durchziehende Pilzgeflecht verbessert die Nährstoff- und Wasserversorgung der Bäume, die Pilze erhalten im Gegenzug bestimmte Stoffe, die sie für ihr eigenes Überleben benötigen.  Die für Pilze untypische Gestalt und das kuriose Verhalten des Wettersterns haben die Deutsche Gesellschaft für Mykologie dazu veranlasst, ihn zum Pilz des Jahres 2005 zu wählen.

Auch wenn Meteorologen sich heute modernster Technik bedienen und der Wetterstern dadurch arbeitslos geworden ist, stellt er einen guten Beweis für die faszinierende Vielfalt und Schönheit von Pilzen dar, die über die Einteilung in Speisepilze und Giftpilze und Schädlinge hinausgehen sollte und für den Erfindungsreichtum der Natur, den Fortbestand der eigenen Art zu sichern.

(c) Text: Die Wissensbrücke - Autor: Daniel C. Dreesmann
(c) Bild: Deutsche Gesellschaft für Mykologie