Orchidee des Jahres 2003
„Die Fliegen-Ragwurz“

Fast jedes männliche Wesen hat eine gewisse Schwachstelle, oder?
Wie nutzt man als Pflanze den Sexualtrieb männlicher Insekten aus, um das Überleben der eigenen Art zu sichern? Indem man durch Duft und Aussehen der Blüte ein Insektenweibchen vortäuscht und mit diesem Betrugsmanöver paarungswillige Männchen anlockt. Die Fliegen-Ragwurz, eine heimische Orchideenart, praktiziert diese Überlebensstrategie in ausgeklügelter Weise.

Genau diesen „Männertyp“ zieht sie an... und nutzt ihn aus
Die „Zielgruppe“ der Fliegen-Ragwurz besteht jedoch nicht aus Fliegen, wie ihr Name vermuten ließe. Sie wird vorwiegend von Grabwespen bestäubt, weil die Blüten deren Körperform sehr ähnlich sind. Durch diesen Trick stürzen sich die Grabwespenmännchen voller Erwartung auf die Pflanze und übertragen Pollen, der ihnen bei ihrem Kopulationsversuch mit anderen Blüten an den Kopf geheftet wurde. Danach müssen sie unverrichteter Dinge weiterfliegen, denn Nektar bietet ihnen die Fliegen-Ragwurz nicht.

Ihr Lebensraum wird immer geringer

Bevorzugter Lebensraum der Fliegen-Ragwurz sind Kalkmagerrasen und lichte Wälder. In den letzten Jahrzehnten sind diese Flächen
jedoch durch Aufforstungen, intensive Grünlandnutzung oder Umwandlung in Ackerflächen stark zerstört worden. Dadurch tritt diese  Orchidee nur noch sporadisch auf. Sie ist stark auf ihren Lebensraum spezialisiert und gilt als Indikator für die Intaktheit der Natur, weil die Art unter veränderten Umweltbedingungen zurückgeht oder ganz verschwindet.

  Eine eher unscheinbare Orchidee
Aufgrund ihrer Gefährdung wurde sie vom Arbeitskreis Heimischer Orchideen zur Orchidee des Jahres 2003 gewählt.
Dabei gehört die Fliegen-Ragwurz zu den eher unscheinbareren Orchideen. Erst auf den zweiten Blick fällt das Aussehen der braun-blauen Blüten ins Auge, mit denen die Pflanze so raffiniert ihre Bestäubung sichert. Denn ihre Blüten täuschen perfekt den Körper eines Insekts beim Nektarsammeln vor.

Steckbrief: Fliegen - Ragwurz
(wissenschaftliche Bezeichnung: Ophrys insectifera)

Familie:            Orchideen
Standort:         Kalkmagerrasen, lichte Wälder, manchmal auch Flachmoore.
Verbreitung:     In den letzten Jahrzehnten sind die bevorzugten Standorte stark zurückgegangen. Dadurch tritt diese Orchidee nur noch sporadisch auf. In einigen Jahren gibt es viele Exemplare, dann wieder mal gar keine oder ganz wenige.
Blütezeit:         Mitte Mai – Ende Juni
Typisches:        Pflanze schlank und hochwüchsig, Blütenstand locker.
Beschreibung
der Blüte:         Mit bis zu 10 Einzelblüten ausgestattet, ahmt Insektenkörper nach.
Besonder-
heiten:              Gehört zum Typ der Sexualtäuschblumen, d.h. die Blüte täuscht ein sitzendes Insekt vor und sendet zusätzlich Sexuallockstoffe von Weibchen der Grabwespen aus, so dass männliche Grabwespen beim Kopulationsversuch mit der Blüte den Pollen an den Kopf geheftet bekommen.
Gefährdung:     Alle einheimischen Orchideen sind gesetzlich geschützt!
In der Roten Liste Deutschland, ist sie als „gefährdet“ eingestuft worden.


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