Vogel des Jahres 2005 

Großer Erfolg für eine große Eule 

Dank intensiver Schutzmaßnahmen gibt es wieder Uhus in Deutschland 

uhu Hand aufs Herz – wer denkt beim Wort Uhu (Bubo bubo) nicht zu allererst an den gleichnamigen Klebstoff und erst danach an die größte Eulenart der Welt. Immerhin stand in den 1930er Jahren der „Adler unter den Eulen“ Namenspate für den ersten Kunstharzkleber, da es in dieser Zeit Mode war, Produkte nach Vögeln zu benennen. Zu Pelikan, Schwan und Marabu kam der Uhu hinzu, weil – so will es die Legende – der Erfinder des neuen Klebstoffs aus Bühl in Baden sich fragte, welcher namenstaugliche Vogel denn im Schwarzwald vorkommt.

Zu dieser Zeit waren Uhus in Deutschland noch häufig anzutreffen, jedoch war man auf ihn nicht gut zu sprechen. Wohl kaum eine Vogelart wurde wie er durch den Menschen verfolgt: Jäger stellten ihm nach, um ihn als lästigen Konkurrenten loszuwerden und im Volksglauben galt der Uhu seit der Antike als böses Omen, was sicher auch mit seiner Größe und seinem weithin hörbaren Ruf zusammen hängt. Aus diesem Grund nagelte man im Mittelalter Uhus an Häusern fest, um böse Geister oder Blitzschläge abzuwehren.

Mit einer
Körper- länge von 70 Zentimetern, einem Gewicht von über drei Kilogramm und einer Flügelspannweite von fast zwei Metern ist der Uhu eine imposante Erscheinung, die durch einen zweisilbigen, dumpfen Buhoo-Ruf der balzenden Männchen verstärkt wird. Wie die meisten Eulenarten auch, ist der Uhu nachtaktiv, sodass Menschen ihn eher selten zu Gesicht bekommen. Als typischer Felsenbrüter teilt er sich seinen Lebensraum und seine Jagdbeute mit tagaktiven Greifvögeln. Was die Nahrung anbelangt, ist der Uhu nicht wählerisch.

Als so genannter
Nahrungsopportunist  passt er sich gut an das vorhandene Angebot an und jagt von Mäusen bis hin zu Feldhasen und Vögeln alles, was er zwischen die Füße bekommt. Seit Mitte der 1960er Jahre haben sich die Uhu-Bestände in Deutschland wieder langsam erholt. Waren es damals nur noch 40 Brutpaare, sind es heute bundesweit wieder rund 850 Brutpaare, sodass die Bestände von Vogelschützern als stabil und leicht zunehmend angesehen werden.
uhu_zeichnung
Erst durch einen strengen Natur- schutz, der mit der Sicherung der damals bestehenden Horste und einer Wiederansiedlung einher ging, gelang einer der größten Erfolge in Sachen Artenschutz.

Aus diesem Grund hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den Uhu auch zum Vogel des Jahres 2005 gewählt; er ist in der Liste der seit 1971 benannten Jahresvögel nach dem Steinkauz (1972) die zweite Eulenart, der diese Aufmerksamkeit zuteil wird.

Neben dem gelungenen Artenschutz war für die Wahl aber auch noch ein weiterer Aspekt ausschlaggebend: Arten lassen sich nur in Verbindung mit ihren Lebens- räumen schützen.
Nur wenn die auf Umwelteinflüsse empfindlich reagierende Felsenlandschaft in Gebirgen und an Flusstälern erhalten bleibt, kann der Uhu auf Dauer bei uns leben. Uhus siedeln sich aber auch in künstlichen Felslandschaften wie Steinbrüchen an.
Die
größte Gefahr für den Uhu stellen heute die stehenden Isolatoren von Stromleitungen dar. Denn aufgrund ihrer Größe berühren dort landende Tiere stromführende Teile und werden dadurch stark verletzt, wenn nicht getötet.
Naturschutzverbände drängen zum Wohl des Uhus und anderer großer Vogelarten deshalb auf den Umbau zu vogelfreundlichen Strommasten, wie es das Bundesnaturschutzgesetz inzwischen fordert.

(c)Text: Die Wissensbrücke - Autor: Daniel C. Dreesmann  

(c) Bilder: NABU, M. Delpho (Foto) - Gabriele Einstein (Zeichnung)