Wildtier des Jahres 2005
Zwischen Bestie und Kuscheltier
Bei Bären denken Kinder vor allem an ihr Kuscheltier oder aber an die leckeren
Fruchtgummi-Geschöpfe. Denn an die Bären im Zoo erinnert man sich nicht
so gerne, da viele von ihnen in kleinen und veralteten Anlagen gehalten
werden und häufig Verhaltensstörungen aufweisen: Ein Braunbär (Ursus arctos),
der sich stundenlang immer wieder zwei Schritte nach vorne und drei Schritte
zurück bewegt und seinen Alltag nahezu auf der Stelle verbringt, wirkt
nur auf ersten Blick lustig. Dass sein „Tanzen“ auf einer falschen Haltung
beruht, wissen nur die wenigsten.
Die eher zurückhaltende Lebensweise des Braunbären
führt dazu, dass die meisten Menschen ihn selbst in typischen Bärengebieten
nie zu Gesicht bekommen. Als scheue Einzelgänger wandern die Tiere in ihren
Streifgebieten, die mehrere Hundert Quadratkilometer umfassen können -
kein Wunder also, dass sie sich in wenige Quadratmeter großen Bärengehegen
nicht wohlfühlen!
Bemerkenswert ist bei den Braunbären auch ihre Winterruhe,
während der sich die Körpertemperatur im Unterschied zum Winterschlaf nur
um wenige Grad Celsius absenkt und die Herzfrequenz verlangsamt. Der Bärenstoffwechsel
zehrt dann vom zuvor angefressenen Winterspeck. Während der Winterruhe
werden auch die zwei bis drei Jungtiere geboren, die bei der Geburt nur
meerschweinchengroß sind und bis zum Verlasen des Winterquartiers im März
so schnell wachsen, dass sie dann bis zu 20 kg wiegen und mit ihrer Mutter
erste Streifzüge unternehmen können.
Dann können Bären zur Gefahr werden,
vor allem, wenn Menschen von den tollpatschigen Jungbären angelockt werden,
deren besorgte Mutter sich jedoch stets in der Nähe aufhält. Weitere Schwierigkeiten
und Schäden durch Bären sind in der Regel ebenfalls „hausgemacht“: Als
Allesfresser scheuen Braunbären nämlich nicht vor Essensresten, Tierfutter
und Bienen- stöcken zurück, sodass hungrige Bären in die Nähe von Ortschaften
kommen können. Mit der Wahl zum Wildtier des Jahres 2005 will die Schutzgemeinschaft
Deutsches Wild dem Braunbären den Weg in das öffentliche Interesse ebnen,
bevor wie in Österreich tatsächlich wieder Bären aus Osteuropa nach Deutschland
einwandern.
(c) Die Wissensbrücke 2005 - Verfasser: Daniel C. Dreesmann