Wildtier des Jahres 2005 

Zwischen Bestie und Kuscheltier 

Kommt der Braunbär wieder nach Deutschland zurück?

Bei Bären denken Kinder vor allem an ihr Kuscheltier oder aber an die leckeren Fruchtgummi-Geschöpfe. Denn an die Bären im Zoo erinnert man sich nicht so gerne, da viele von ihnen in kleinen und veralteten Anlagen gehalten werden und häufig Verhaltensstörungen aufweisen: Ein Braunbär (Ursus arctos), der sich stundenlang immer wieder zwei Schritte nach vorne und drei Schritte zurück bewegt und seinen Alltag nahezu auf der Stelle verbringt, wirkt nur auf ersten Blick lustig. Dass sein „Tanzen“ auf einer falschen Haltung beruht, wissen nur die wenigsten.

Von allen „Echten Bären“ (Ursidae), zu denen auch Eisbären, Schwarzbären und Kragenbären zählen, zeigt der Braunbär als Anpassung an seinen Lebensraum die größte Vielfalt, was Körpergröße und Fellfärbung anbelangt. Während Braunbären im Alpenraum eher klein sind, zählen die nordamerikanischen Kodiakbären und Grizzlys zu den Riesen unter den Bären. Dabei reicht die Fellfarbe von Hellbraun bis Schwarz.

In Deutschland sind Braunbären in freier Natur nicht mehr anzutreffen, der letzte deutsche Vertreter dieser Art soll 1835 in Bayern erlegt worden sein. Seit dieser Zeit erinnern an den Meister Petz neben Spielzeug und Naschwerk nur noch Märchen und Redewendungen  sowie seine Rolle als Wappentier von Städten wie Berlin an das größte einheimische Raubtier, dem ne- ben der Zerstörung seines Lebensraums auch das mangelnde Wissen über seine Lebensweise zum Verhängnis geworden ist.
Trotz seiner Größe von bis zu zwei Metern und einem Gewicht von bis zu 250 kg sind Bären keine blutrünstigen Bestien: ein Blick in ihr Gebiss und Fachleute wissen Bescheid, dass der Braunbär sich vor allem von Früchten, Beeren und Wurzeln ernährt und nur weit weniger von tierischer Kost, wobei er neben größerem Wild auch Schlangen, Frösche und Insekten frisst.

Die eher zurückhaltende Lebensweise des Braunbären führt dazu, dass die meisten Menschen ihn selbst in typischen Bärengebieten nie zu Gesicht bekommen. Als scheue Einzelgänger wandern die Tiere in ihren Streifgebieten, die mehrere Hundert Quadratkilometer umfassen können - kein Wunder also, dass sie sich in wenige Quadratmeter großen Bärengehegen nicht wohlfühlen!

Bemerkenswert ist bei den Braunbären auch ihre Winterruhe, während der sich die Körpertemperatur im Unterschied zum Winterschlaf nur um wenige Grad Celsius absenkt und die Herzfrequenz verlangsamt. Der Bärenstoffwechsel zehrt dann vom zuvor angefressenen Winterspeck. Während der Winterruhe werden auch die zwei bis drei Jungtiere geboren, die bei der Geburt nur meerschweinchengroß sind und bis zum Verlasen des Winterquartiers im März so schnell wachsen, dass sie dann bis zu 20 kg wiegen und mit ihrer Mutter erste Streifzüge unternehmen können.
Dann können Bären zur Gefahr werden, vor allem, wenn Menschen von den tollpatschigen Jungbären angelockt werden, deren besorgte Mutter sich jedoch stets in der Nähe aufhält. Weitere Schwierigkeiten und Schäden durch Bären sind in der Regel ebenfalls „hausgemacht“: Als Allesfresser scheuen Braunbären nämlich nicht vor Essensresten, Tierfutter und Bienen- stöcken zurück, sodass hungrige Bären in die Nähe von Ortschaften kommen können. Mit der Wahl zum Wildtier des Jahres 2005 will die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild dem Braunbären den Weg in das öffentliche Interesse ebnen, bevor wie in Österreich tatsächlich wieder Bären aus Osteuropa nach Deutschland einwandern. 

(c) Die Wissensbrücke 2005 - Verfasser: Daniel C. Dreesmann